Antrag auf bestandsorientierte Sanierung von Wartehalle und Gebäude des historischen Bahnhofs Pullach

Antrag der SPD-Fraktion an den Gemeinderat; 19.04.2026

Das Bahnhofgebäude bedarf dringend einer Sanierung. Lange hat die Diskussion über mögliche Nutzungsänderungen den Beginn von Renovierungsarbeiten verzögert. Darum beantragt die SPD-Fraktion Pullach:

Wartehalle und Gebäude des historischen Bahnhofs werden saniert und entsprechend seiner historischen Gestalt wieder hergestellt. Die Wohnungen bleiben erhalten. Die vorhandene Toilettenanlage wird modernisiert und eine barrierefreie, behindertengerechte Nutzung ermöglicht.

  • Für die Wartehalle wird geprüft, ob eine teilweise Verglasung der offenen Westseite die Aufenthaltsqualität vor allem in den Wintermonaten erhöht und in vertretbarem Verhältnis zu finanziellem Aufwand und Erfordernissen des Denkmalschutzes steht.
  • Die Verwaltung wird beauftragt ein Nutzungskonzept für die Toiletten zu entwickeln, das einerseits einen unkomplizierten Zugang ermöglicht und andererseits Vandalismus so weit wie möglich verhindert.
  • Für die frei gewordenen Räume im südlichen Teil des Gebäudes wird eine Nutzung gesucht, die sich mit der Nutzung des Gebäudes gut verträgt und ihrerseits Missbrauch und Zerstörtung entgegenwirkt, wie z.B. die Überlassung für Sozialarbeit des/r Streetworkers/in.

Begründung
Der bauliche Zustand des Pullacher Bahnhofs ist ganz augenfällig renovierungsbedürftig. Auch wurden dem Gemeinderat bereits Pläne zur Renovierung vorgelegt, mit Versuch in dem Gebäude andere, neue Nutzungen unterzubringen. Im Lauf der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass die überwiegende Mehrheit im Gemeinderat eine bestandsorientierte Sanierung unter Beibehaltung der Funktion als Wartehalle favorisiert. Dass diese Meinung von den Pullacherinnen und Pullachern geteilt wird, zeigte aktuell eine Meinungsumfrage der Pullacher SPD. Online und in Straßenbefragungen ergab sich ein eindeutiges Meinungsbild. Die Mehrheit der Befragten sprach sich für eine Wartehalle aus. Eine Nutzung für soziale und kulturelle Zwecke war weit abgeschlagen. Allein die Nutzung für ein Café, Kiosk, o.ä. kam für eine signifikante Zahl an Befragten in Betracht.

Die SPD Fraktion sieht in dem Pullacher S-Bahnhof einen wichtigen Eintrittspunkt in den Ort. Wie eine Visitenkarte sagt sein Zustand und seine Attraktivität etwas über die Selbstachtung der politischen Gemeinde aus. Das Bahnhofsgebäude gehört zu einem Ensemble von historischen Bahnhöfen aus der Jahrhundertwende und verweist damit direkt auf die Entstehungsgeschichte des modernen Pullachs, als die Isartalbahn den Ort als Naherholungsgebiet und Ausflugsziel für das nahe gelegene München erschloss.

Letztlich kommen für die weitere Nutzung des Bahnhofs vier Szenarien in Betracht. Nach sorgfältiger Abwägung überzeugt eine Nutzung für soziale oder kulturelle Zwecke nicht. Die Räumlichkeiten sind zu klein. Nur eine Umwidmung im Zusammenspiel mit dem benachbarten Grundstück Bahnhofstr. 8 hätte tragfähige Konzepte ergeben können. Diese Möglichkeit ist aber mindestens für fünf Jahre durch das Provisorium für die Mittagsbetreuung auf eben diesem Grundstück blockiert. Die Sanierung ist jedoch dringend.

Neben der Wartehalle sprachen sich viele befragte Bürgerinnen und Bürger auch für eine gastronomische Nutzung aus. Es gibt jedoch Pläne von einem privaten Investort, das ehemalige Postgebäude, Gartenstr. 2, abzureißen und dort ein Café einzurichten. Es besteht aus unserer Sicht erheblicher Zweifel, ob in unmittelbarer Nähe ein weiteres gastronomisches Angebot überlebensfähig wäre.

Tatsächlich benötigen die vielen Pendlerinnen und Pendler tagtäglich, genauso wie die Pullacherinnen und Pullacher, die aus verschiedenen anderen Gründen nach München fahren, die Möglichkeit sich bei starkem Wind, heftigen Regen oder großer Hitze unterzustellen. Um diese Funktion zu verbessern, schlagen wir vor eine teilweise Verglasung der offenen Front zu überprüfen.

Bei geschlossenem Bürgerhaus gibt es keine öffentlichen Toiletten in der gesamten Ortsmitte. Die Toiletten von Cafés und Restaurants in der Ortsmitte sind nicht jederzeit zugänglich. Die Bereitstellung von öffentlichen Toiletten ist ein Beitrag zur Integration u.a. von älteren Menschen, Schwangeren und Menschen mit Behinderung. Es ist in unseren Augen ein guter Service für alle Menschen, die in der Pullacher Ortsmitte unterwegs sind.

Antragsteller:
Ulrike Barth, Holger Ptacek