Pullach, 14.04.2026
"Ich wäre lieber ein Optimist und ein Dummkopf
als ein Pessimist und richtig."
Albert Einstein, Physiker
Aus gegebenem Anlass hat mir ein netter Mensch eine Zeitung vom 13. April 1971 geschenkt. Mit Neugierde habe ich nachgesehen, was die Welt vor 55 Jahren bewegt hat. Es war überraschend – um nicht zu sagen: ernüchternd. Der Aufmacher auf Seite 1: "Besorgnis über die Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung". Ein rechtsradikaler Fanatiker hatte über Ostern ein Attentatsversuch auf Bundespräsident Heinemann versucht. Ein Regierungssprecher verurteilte die "Verteufelung Andersdenkender". Über die Motive ist noch nichts bekannt... Kommt mir irgendwie bekannt vor.
Auch auf Seite 1: "Schmidt: Die Bundeswehr ist überfordert". Es geht darum, dass das Heer Schwierigkeiten hat genug Soldaten zu finden, um ihre Soll-Stärke zu erreichen. Dass es eine alte Nachricht ist, merkt man daran, dass der Minister nicht mehr Helmut heißt.
Weitere Überschriften der ersten Seite besagen, dass die Mietobergrenze für Sozialwohnungen stieg und die Butter teurer wurde. Tja, Inflation gab's natürlich schon immer. Der ADAC klagte über die hohen KfZ-Steuern und der Papst (Paul VI.) den moralischen Verfall. In seiner Osterbotschaft sprach er gegen Kriege und Wettrüsten. In Asien erwartete man trotz US-amerikanischer Bombardements das Ende des Vietnamkriegs. (Allerdings vier Jahre zu früh.) Tja, Kriege …
Auf Seite 3 informierte die Zeitung über "Zehn Jahre bemannte Raumfahrt". In Russland zensierte die Sowjetregierung die Rede des ZK-Vorsitzenden (also irgendwie sich selbst). Informierte Beobachter munkelten, dass es mit der monolithischen Einheit in russischen Regierungskreisen vielleicht doch nicht so weit her ist. Darüber munkeln wir ja heute noch ganz gern. China verbündete sich dagegen mit Westpakistan, um Indien eins auszuwischen. Tja, ….
In den Alpen starben Urlauber bei Lawinenunglücken und in Italien töteten Kinder im Alter von 9 bis 5 Jahren eine alte Frau, weil sie von ihr beim Stehlen erwischt worden waren. Gruselig. Aber was davon, außer dass die 68-jährige als "Greisin" bezeichnet wird, könnte heute nicht mehr in der Zeitung stehen?
"In Tutzing grassiert die Wohnungsnot", "Mutter unter Mordverdacht", "Steuererhöhungen nicht ausgeschlossen", "Staatliches Engagement schreckt Unternehmer ab", "Europas Flugzeugindustrie flügellahm". Langsam frag ich mich, woher das Gefühl kommt, das früher irgendwas besser war oder auch nur anders.
Gibt's denn nirgendwo mal was Neues? Nein, natürlich etwas Altes! Aber anderes? Ach, vielleicht im Kinoprogramm! Im Mathäser-Filmpalast kommt das unvergessliche Kinoabenteuer "Winnetou – 1. Teil". Es spielen Pierre Briece, Lex Barker, Marie Versini und Mario Adorf. Ach, ja, der große Mario Adorf! War auch nicht seine beste Rolle…
Aber hier! Im Fernsehprogramm! Nirgendwo ein Krimi! Dafür "Ein Platz für Tiere" mit Professor Grimek. Es war früher wirklich nicht alles schlecht!
Ihr
Holger Ptacek
Gemeinderat