Nicht alle Wege führen nach Rom

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Pullach, 20.04.2026

"Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos miteinander Pläne zu machen."
Konfuzius, Philosoph

Frau Eisenmann ist angetreten den Gemeinderat zu einen. Weniger Streit, mehr Geschwindigkeit. Noch ist sie nicht im Amt, aber das Gremium war – dank ihrem Zutun – in der letzten Sitzung bereits gespalten wie selten zuvor. Und der Rückwärtsgang wurde ebenfalls schon angekündigt.

Es ging in der letzten Gemeinderatssitzung erneut um das neue Kinderhaus in der Kreuzeckstraße. Herr Vennekold sagte sinngemäß, alle Gemeinderäte hätten das gleiche Ziel, nämlich die Kinderbetreuung sicher zu stellen, aber wollten es auf unterschiedlichen Wegen erreichen. Die einen wollen eben ein Gebäude errichten, die anderen lieber die vorhandenen Räume im Kloster St. Gabriel nutzen. "Alle Wege führen nach Rom." Er konnte nicht sehen, was ich sah, als er das sagte: Das resignierte Kopfschütteln von den VertreterInnen der AWO und der Verwaltung.

Immer und immer wieder haben sich die Expertinnen in den vergangenen Monaten bemüht klar zu stellen, dass eine weitere Nutzung der Räume im Kloster St. Gabriel utopisch ist. Die bisherige Zusammenarbeit war unerfreulich und wurde durch den Träger gekündigt. Andere Träger scheuen sich die Räume zu übernehmen. Es mag nicht einleuchten, weil vorher dort auch Kinder betreut wurden. Aber es ist trotzdem eine Tatsache, dass die räumliche Situation nur für das aktuelle Konzept eines altersgemischten, integrativen Kindergartens tauglich war. Die AWO kann das nicht genau so machen, weil es als Ausweichquartier für vier Krippengruppen gedacht ist, also vier Gruppen, nicht altersgemischt. Diese Änderung erfordert ein neues Genehmigungsverfahren und, weil das Kloster auf Münchner Flur liegt, ist die Beantragung bei der Landeshauptstadt München notwendig, auch wenn dort Landkreis-Kinder betreut würden. Und leider gelten in München andere Regeln für Kindereinrichtungen als bei uns im Landkreis.

Auch deshalb ist die Landkreis-AWO, Trägerin der Mäuseburg, eine andere als die Stadt-AWO, die auf dem Kloster St. Gabriel zuständig wäre. Selbst wenn die Räumlichkeiten für den Betrieb einer viergruppigen Krippe geeignet wären, müsste das Personal den Arbeitgeber wechseln und die Eltern müssten gänzlich neue Verträge bekommen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bausubstanz des zweiten, vorgeschlagenen Gebäudes (Haus 6) alt ist und selbst für eine Übergangslösung teure Umbauten notwendig wären. Und Renovierungen, weil es Räume mit Wasserschäden gibt. Denn ohne einwandfreien Zustand bekommt man keine Genehmigung Kinder zu betreuen. Noch dazu fehlen Freiflächen, Fluchtwege, Räume in ausreichender Größe und so weiter...

Manche Wege führen ins Chaos

Man darf das alles hirnverbrannt und überbürokratisch findet. Es bleiben aber Tatsachen, die man mit einer Abstimmung im Gemeinderat nicht vom Tisch wischen kann. Ob es der neuen Bürgermeisterin und ihrer künftigen Rathausmehrheit passt oder nicht: die Räume in St. Gabriel stehen uns nicht mehr zur Verfügung. Und das ist sogar gut so. Es ist viel besser, wenn wir als Gemeinde die vier Gruppen, die im Kloster bereits weggefallen sind, künftig in einem Gebäude unterbringen, das uns gehört. So ist garantiert, dass bei einem Konflikt mit dem Träger – wie im Kloster passiert – die Einrichtung mit einem neuen Träger weiter betrieben werden kann. Angesichts der horrenden Mieten dort, ist es langfristig sogar günstiger.

Die Kreuzeckstraße ist für eine Kinderbetreuungseinrichtung gut geeignet, gerade weil es in eine ruhige Straße ist, weil sie nahe an der S-Bahn liegt und neben dem Grundstück ein gemeindlicher Spielplatz vorhanden ist. Kinder und BetreuerInnen verdienen eine qualtitativ hochwertige und nach modernen pädagogischen Konzepten geplante Umgebung. Aus diesen Gründen hat die alte Rathausmehrheit mit 11:9 Stimmen den Architekten weiter beauftragt und den Bebauungsplan dafür weiter vorangebracht. Die künftige Bürgermeisterin hat's mit einem Lächeln quittiert und angekündigt mit ihrer neuen Mehrheit ab Mai alle gefallenen Beschlüsse zurück zu nehmen. Herr Dr. Reich empfahl dem Architekten bis dahin fleißig Rechnungen zu schreiben.

Frau Bürgermeisterin Eisenmann wäre gut beraten, sich die angekündigte Kehrtwende noch einmal zu überlegen. Denn die Erfahrung zeigt, dass es im Leben (anders als im Sprichwort) sehr unterschiedliche Straßen gibt. Nicht auf allen kommt man gut voran. Und manche erweisen sich als Sackgasse. Und am Ende dieser Sackgasse warten eine Menge wütender Eltern!

Ihre
Ulrike Barth und Holger Ptacek
Gemeinderäte